Project Baseline, Murner See
 


GUE- Cave 1, Ein Erfahrungsbericht

 Ein Artikel von: Martina Sommerer

Autorin: Martina Sommerer

Wenn aktuell kein Tauchen möglich ist, dann schwelgt man gerne mal in Erinnerungen und denkt darüber nach, wie diese Leidenschaft begann.

Ein Jahr ist das schon wieder her mit dem Cave 1. Was hatte ich darauf hin gefiebert, war gefasst auf eine harte Woche. Ich erlebte viele frustrierende Momente, eine echt starke Gemeinschaft und tatsächlich auch sowas wie Urlaubsfeeling.


Jetzt rückblickend sehe ich vielleicht alles ein wenig leichter und lockerer, als ich es in jenen Tagen empfand. Ich weiß inzwischen auch sehr gut, dass ich sowohl mit Team-Buddies als auch Instructor einen Glücksgriff gemacht hatte - ohne diese Konstellation würde ich wohl nicht so positiv zurück blicken.

Aber alles mal der Reihe nach.

Der Weg zu GUE

Meine kleine Tauchkarriere begann wie bei den meisten mit einem Urlaubs-Tauchschein zum Fischegucken. Tauchen entwickelte sich nach einigen Jahren zum Stresskiller und schließlich zur Passion. Nächster step war ein Trocki für den heimischen See. Und das war aller Leidenschaft Anfang und der Grundstein zur "dark side of diving"

Nach viel Training und Unterstützung durch einen GUEler meldete ich mich tatsächlich zu einem Fundi an. Ich bestand ihn mit einem Rec-Pass, sattelte ein halbes Jahr später nach wieder ungezählten Trainingseinheiten das Tec-upgrade drauf und sah mich am Ziel dessen, was ich je erreichen konnte.

Mit einem Fundi Tec ändert sich ganz automatisch der Buddykreis, die Tauchplätze und die Art der Tauchgänge. Die Neugier auf "Mehr" war geweckt.

Interessante Gespräche über weitere Ausbildungsschritte, Kursinhalte und Ausbildungsorte schlossen sich an.

Cave 1- Es beginnt

Ein Jahr nach dem Fundi folgte also mit großem Respekt die Anmeldung zum Cave 1 in Frankreich.

Meine Aufregung war groß. Akribisch wie ich bin, besorgte ich mir die Theorieunterlagen und arbeitete sie durch. Auch der Höhlenführer durfte nicht fehlen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich allerdings noch gar nicht viel damit anfangen.

Die Unterlagen mit Runduminfos über Unterkunft, Tagesablauf und Equipment Liste kam rechtzeitig. Auch Tipps für die passende Kleidungswahl waren dabei. Die Nächte wurden auch im April noch so richtig kalt und das zog sich bis weit in den Vormittag. Für die Dryruns waren Mütze und Handschuhe daher nicht verkehrt.

Die Anfahrt nach Frankreich hatte ich für mich in zwei Passagen aufgeteilt mit einer Übernachtung. Ich wollte einfach nicht nach rund zwölf Stunden reiner Fahrtzeit völlig erledigt ankommen.

Das war auch gut so, denn am eigentlichen Anreisetag hatte ich dann noch Zeit für etwas sightseeing. Und das lohnt sich in Frankreich auf jeden Fall! 

Wunderbare kleine Dörfer in völlig verwunschener Umgebung und Läden mit tollen Leckereien. Mir hatte es der Ziegenkäse aus dem Nachbarort besonders angetan.


Gegen fünf Uhr trafen an der Unterkunft so nacheinander alle ein. Ein idyllisches Landgut mit einer zum Wohnhaus umgebauten und liebevoll renovierten Scheune. Es sollte sich noch als die absolut richtige Entscheidung herausstellen, dass wir uns gegen Selbstverpflegung und für die Vollpension unisono entschieden hatten. 

Die Zimmer und Betten waren schnell aufgeteilt und beim Abendessen machten wir uns alle bekannt, tauschten unsere "Lebensläufe" aus und - waren alle ziemlich schnell müde. 

Dann folgte Tag eins. Der Ablauf jeden Tages war ähnlich und wiederholte sich die Woche über immer wieder in unterschiedlichen Varianten.
Beim Frühstück wurden die einzelnen Elemente und Herausforderungen des jeweiligen Tages kurz angerissen und letzte Vorbereitungen getroffen. 




Weil die Wege in Frankreich durchaus lang sind - die Höhlen kommen eben nicht zu uns, sondern wir müssen zu den Höhlen - braucht es insgesamt eine gute Logistik.

Bereits mit zwei gefüllten D12 anzureisen ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Die Füllstation liegt, je nach Unterkunft, ziemlich nah, aber dann ist der Weg zu den Höhlen eben entsprechend weit.
Und es herrscht dort immer reger Betrieb. Für einen kompletten Trainingstag braucht jeder Schüler zwei D12. Unterwegs zu Füllen ist illusorisch und würde auch zuviel Zeit in Anspruch nehmen.

Der reguläre Ablauf ist daher, nach dem Frühstück alles zusammen zu packen, zu der jeweiligen Höhle los zu fahren. Der frühe Vogel fängt den Wurm, in diesem Fall ergattert das Team gute Parkplätze vor Ort. Dann kann es weiter gehen mit den dryruns.

Ich hätte nicht gedacht, dass man, egal an welchem Platz man sich befindet, überall dryruns entsprechend dem Kursinhalt durchführen kann. Das geht auf einem Schotterparkplatz ebenso wie in einem verwunschenen Waldstück.


Die Tauchplätze selbst sind ohnehin teilweise sehr abenteuerlich zu erreichen. Französische Landstraßen sind gewöhnungsbedürftig. Mein Fahrstil hat sich wohl nach dieser Woche auch generell verändert.... Von den fahrbaren Straßen zweigt es häufig ab auf Feldwege, die ich nicht mal als solche erkannt hätte. Parken vor Ort ist manchmal ein Geduldsspiel, Gummistiefel je nach Wetter sinnvoll und über den Innenzustand seines Autos sollte man sich in diesen Tagen auch keine Gedanken machen. Ausgesehen hat der Wagen danach, als hätte ich eine Jahresexpedition durch den Dschungel absolviert.
Aber darüber hinaus ganz wichtig - die besten Anfahrtsdaten nach GPS Koordinaten nützen nichts, wenn dir keiner verrät, wo genau der Eingang der Höhle ist. Bei einigen ist das nicht so offensichtlich. Es ist eben Natur und kein von Menschenhand erbautes System.

Die Inhalte des Kurses sind vielfältig und abgesehen von den abendlichen Theorieeinheiten ist Struktur und konzentriertes Arbeiten bei den dryruns und den anschließendem Tauchgängen wichtig. Natürlich kommt der Spaß nicht zu kurz, aber niemand sollte die Vorstellung haben, dass er diesen Kurs und das zugehörige Brevet im Vorbeigehen mitnimmt. Da gehört Selbstdisziplin, manchmal auch über den eigenen Schatten springen, aber vor allem Teamgeist dazu. Ohne das, wird es nichts.


Das erste "Vortauchen" in einem kleinen Quelltopf bremst dann erst mal die Euphorie nach der Anreise und dem schönen ersten Abend.
Warum funktioniert das plötzlich nicht mehr mit Trimm und Tarierung? Bin ich das erste Mal im Wasser? Habe ich bei der Anfahrt auf den 1200 km irgendwie meine letzten zweihundert Tauchgänge einfach verloren?

Ok, erst mal durchatmen, sammeln und bemerken, dass sich dieses Team erst bilden muss. Klar, jeder steht ein wenig unter Stress und Druck, wie ticken die anderen? Ein Kurs ist keine Verabredung zu einem fun dive. 

Zweiter Versuch, bereits lange Erlerntes und Eingeübtes anzuwenden - wir sind noch lange nicht bei neuem Stoff - wird besser. Am Ende dieses Tages haben wir uns nach einigen Stunden im Wasser und viel reden sozusagen geerdet. Jetzt kann es wirklich los gehen.

Der abendliche Ablauf wird uns bald in Routine übergehen, nach der Woche werde ich ihn vermissen...
Zurückfahren, Flaschen füllen, Equipment verstauen, Duschen - mir tut alles weh und was für ein Glück auf Erden kann so ein heißer Wasserstrahl sein.

Beim liebevoll von unsrer Wirtin gezauberten, mehrgängigen Abendessen lassen wir den Tag Revue passieren. 

Am Ende der Woche werde ich feststellen, dass die französische Küche extrem kalorienhaltig ist, die anstrengenden Tage und vor allem viele Stunden im kalten Wasser aber auch entsprechend zehren.
In einem idyllischen kleinen Dachzimmer falle ich binnen Sekunden in einen tiefen, traumlosen Schlaf und so gut wie in diesen sieben Nächten habe ich lange nicht geschlafen.

Nach einem typisch französischen, für unsere Begriffe etwas übersichtlichen, Frühstück geht es gleich ans Packen, Autos fertig machen. Noch schnell das shepee hinkleben - ein must have der Damen sonst wird es kritisch bei mehreren Stunden Wasserzeit - und los geht es.

Mein erster richtiger Höhlentauchgang wird in einer sehr freundlichen, einladenden, hellen Höhle sein. Die Ressel ist ein idealer Anfängerort.
Breit, hoch, keine Sedimente. Jetzt gilt es, die Theorie- und dryrun-Einheiten in die Praxis umzusetzen. Wie gebe ich Lichtzeichen, wie formatiert sich das Team? Was sind die einzelnen Punkte auf die ich bei welchem Abschnitt des Tauchgangs achten muss?

Jeder Tag besteht aus bereits bekannten und natürlich neuen Elementen. Vom Einfachen zum Komplexen. Und auch soviel tasks auf einmal, dass man schlicht überfordert ist. Aber das ist Teil der Methode und bringt tatsächlich Fortschritte. Erst durch ein völlig überzogenes Szenario werden Abläufe eintrainiert, die dann auch im Ernstfall bei einem einzigen Fehler am Equipment oder einem einzelnen Problem des Tauchers funktionieren.

Wir lernten alles, was notwendig und natürlich auch sinnvoll ist um sich in einem Grundlevel in Höhlen bewegen und sichere Tauchgänge durchzuführen zu können. Ganz zu Anfang steht eine solide Tauchgangsplanung. Wie ist die Höhle beschaffen? Wie viel Gas habe ich zur Verfügung? Wie lange wird mein Tauchgang damit dauern und wie weit komme ich in der Höhle damit?

Wir lernten Leinen zu legen, sich gegenseitig dabei zu helfen, zu assistieren, zu leuchten - wir sind ein Team!
Wie behält man die Leine im Blick, was sind snapshots und warum sind die so wichtig? Wie kann ich mir die Details merken unterwegs und wie kommuniziere ich effektiv?

Warum ist auf den Buddy zu achten nicht nur höflich, sondern notwendig und kein Tadel, wenn man ihm sagt, er möge seine Taschen aufräumen?



Dryrun

Natürlich lernten und übten wir auch Abläufe, die wir hoffentlich nie im Ernstfall anwenden müssen, aber auch später zwischendurch immer wieder trainieren sollten. Schlechte Sicht, keine Panik bekommen - wir simulierten das mit einer blind mask, einer Neopren Maske übergezogen über die echte. Was ist zu tun wenn ich die Leine verloren habe, wie kann ich ein abhanden gekommenes Team Mitglied suchen und finden ohne mich selbst zu gefährden?

Und ganz wichtig, wie kommen wir als Team wieder sicher aus der Höhle bei Null Sicht? Der blind exit ist ein zentraler Punkt des Kurses.

Und genau das ist einer der großen Pluspunkte von GUE. Es wird natürlich ein "schöner Tauchen" gelehrt. Genau das soll Höhlentauchen ja sein. Ein Genießen dieser wunderbaren, bizarren und unglaublich schönen und ganz eigenen Welt. Ganz gleich ob Höhle oder Bergwerk. Jeder der diese Faszination einmal erlebt hat, wird mich verstehen.

Das, was aus meiner Sicht den Unterschied bei GUE macht, ist der enorme Fokus auf Sicherheit. Ein Großteil des Kursinhaltes beschäftigt sich mit Übungen für heikle Situationen, Ruhe bewahren, Nachdenken und dann erst Handeln.
Schönes Tauchen, sicheres Tauchen, Teamtauchen - das ist Kursinhalt und Ziel zugleich.
Die Tage gingen vorbei wie im Flug. Hätte ich mir nicht Stichpunkte aufgeschrieben, hätte ich nachher nicht mehr sagen können, was ich an welchem Tag gemacht habe. Dafür war der Input schlicht zu viel. 



Am Ende stand natürlich auch ein Theorietest. Bis auf ein, zwei Fragen die etwas im Team diskutiert wurden, war er aber leicht zu absolvieren. Sicherlich lag das auch an den kurzweiligen Vorträgen unserer Instructorin. Es blieb ganz viel hängen.

Am letzten Tag war ich schon deutlich nervös. Ein Übungstauchgang stand noch bevor und natürlich die Prüfung. Es ging nicht alles glatt, ganz klar. Wir waren Anfänger. Aber das war auch gar nicht gefordert. Wir sollten überzeugend als Team mit Achtsamkeit füreinander und Zusammenarbeit unterwegs sein und einen Tauchgang in einer abgeschlossenen Umgebung sicher bewältigen können.

Das hat wohl funktioniert. Wir wurden kurz vor dem Ausgang der Ressel, der übrigens ein sehr schönes Lichtspiel bietet, von Irene mit aufgeschlagen wetnotes und einer sehr schönen Notiz empfangen "Willkommen im Team!"


Am Abend ließen wir es uns nochmal so richtig gut gehen, unsere Gastgeberin verwöhnte uns mit leckerem Essen und wir gönnten uns ein, zwei Gläschen Wein dazu. Jetzt, wo die Anspannung weg war und wir in Feierlaune.

Die Entscheidung von vornherein, drei Tage länger zu bleiben, war prima.
So konnten wir als jetzt schon ganz gut eingespieltes Team nochmal in Ruhe, ohne Druck und mit Muse für die Schönheit der Höhlen Tauchen gehen.

Ein wunderbarer Abschluss einer aufregenden, sehr anstrengenden, zehrenden und unheimlich intensiven Kurswoche.


Was hat mir der Kurs gebracht?

Eine völlig neue Perspektive, einen neuen, weiteren Buddykreis, eine lebendige community und inzwischen ganz viele unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse.
Mir stand nun eine völlig neue, eigene Welt offen - und ich hab mich mit Leidenschaft dorthin aufgemacht.
Ich hab mich mit neuen Buddies in Felicitas und Nuttlar verabredet, wunderschöne Tauchgänge in Christine erlebt, bin ein weiteres Mal zu den Höhlen nach Frankreich gefahren und hab mir einen kleinen Traum erfüllt und bin in der Molnar Janos in Budapest getaucht.

Und die Faszination und Passion für diese speziellen Orte wird mit jedem einzelnen Tauchgang größer.


Was passierte noch?

Unsere GUE Murner See Gruppe hat sich vergrößert. Auch das ist Ergebnis einer funktionierenden community. Inzwischen sind wir dort einige C1 Taucher und die Nachfrage nach Training und "Vorbereitung" für nachfolgende Kursteilnehmer wächst. Genauso wie wir bei jedem Tauchgang fundi skills einbauen können zum Üben, geht das auch mit Elementen aus Cave Kurs. Mein spezielles "Highlight" ist das Reel handling. Wir sind bis heute keine Freunde geworden...






Was kommt noch?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. An den einschlägigen Tauchplätzen trifft man immer wieder die selben bekannten Gesichter. Und Zeit für einen kleinen Plausch ist immer. Natürlich auch über das, was noch geht, was ein weiterer Kurs, ein C2, ermöglicht.
Schon jetzt nach knapp 50 Höhlentauchgängen innerhalb eines guten Jahres auf meinem C1 Level ertappe ich mich regelmäßig bei dem Gedanken "Was kommt da hinten? Aber turnpressure ist erreicht... Wo führt dieser jump hin? Ist mir aber verboten... Sooo viele mögliche Abzweigungen, aber ich darf nur eine..."

Insofern ist C2 der logische Schritt, aber da muss ich erst noch viel an mir arbeiten.

Vorerst bin ich mit dem Stand den ich erreicht habe sehr zufrieden. Ohne Irene Homberger als Instructor wäre das nicht möglich gewesen. Ebenso wenig ohne meine zwei Mitstreiter Jason Winter, der inzwischen selbst Fundi Instructor ist und seine Freundin Angie Uhlig.
Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank an alle drei!


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