Project Baseline, Murner See
 

GUE Fundamentals- Ein Erfahrungsbericht

Vorwort:

Ich begann 2014 aus einer spontanen Idee heraus mit dem Tauchen.
Meinen OWD machte ich gemeinsam mit einem langjährigem Freund im August innerhalb von 4 Tagen bei PADI. Bereits beim ersten Atemzug unter Wasser war ich verliebt. Dieser Sportart war ich von nun an absolut verfallen.
Schnell erweiterte ich meine Fähigkeiten, der klassische Weg folgte.
Deep-, Trocki- und Nitrox- Brevet. Das Interesse in MEHR wuchs.

So schaffte ich mir 2015 ein Doppelgerät an und es gefiel mir sehr gut, viel zu gut. Jedoch sprach mich jahrelang keine Ausbildung mehr an. Vieles war mir zu oberflächlich, zu kommerziell und zu wenig System dahinter.

Leider ist es auch in der technischen Tauchausbildung, nach wie vor so, dass Brevetierungen verkauft werden und nicht wirklich verdient werden müssen.
Dieses System war nichts für mich, daher widmete ich mich mehr der "Taucherei", als dem Sammeln von Brevets.
2018 machte mich ein guter Freund auf GUE aufmerksam. Ich hatte zwar schon des Öfteren von GUE gehört, leider kannte ich aber niemanden der nach dieser Philosphie tauchte.

Der Kurs war gebucht:
Mein Interesse war entfacht, nach einiger Zeit war der Fundamentals bei Sven Nelles (GUE Instructor) gebucht.
Im Mai 2019 sollte es also losgehen. Ich war aufgeregt und unheimlich neugierig, entsprechend hoch war meine Erwartung.
Meine Wasserlage war halbwegs in Ordnung, meine Erfahrung mit ca. 300 TG´s war auch nicht so gering (so dachte ich bis dato).
Die Skills ganz in Ordnung, aber ich wollte ein höheres Niveau erreichen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits das meiste des erforderlichen Equipments und Anforderungen.

Equipment:
-Doppelgerät, D12
-Backplate mit durchgehender Bebänderung und Schrittgurt
-Schneidwerkzeug
-Backuplampe mit handelsüblichen Batterien (keine Akkus)
-Tanklampe (ja muss sein)
-Zwei erste und 2. Stufen mit 2,10 Longhose, Backup Regler mit Bungees um den Hals getragen
-Flossen (am besten Vollgummi, keine Splitfins!)
-Boje und Spool (mind. 30m)
-Maske und Backup Maske
-1 Boltsnap
-Wetnotes mit Stift
-Tauchcomputer oder Bottom Timer
-Kompass mit Bungees befestigt
-Tauchanzug (an die Umgebung angepasst, ein Trocki ist nicht zwingend notwendig)

Sonstiges:

-Nichtraucher (ja das ist ein MUSS)

-Grund Fitness

-kein starkes Übergewicht

-Teamplay

-offen für neues sein

-Lernbereitschaft

-Regeln akzeptieren und einhalten können.


Fundi- Es geht los!

An einem Donnerstag fuhr ich nach München, dort holte ich Sven gegen Nachtmittag am Flughafen ab. Ich empfing ihn am Terminal, Sven war nicht schwer zu finden, das GUE Shirt und der Gepäckanhänger verrieten ihn sofort ;).

Sven ist ein sehr sympathischer Mensch, und wie sich später heraus stellen sollte, ein super Instructor. Gemeinsam machten wir uns auf an den Attersee. Nach circa 2,5 Stunden erreichten wir unser Ziel. Daniel (der zweite Schüler im Bunde) wartete bereits sehnsüchtig auf unsere Ankunft. Wir waren direkt oberhalb von "Under Presssure" im Hotel untergebracht, somit hatten wir perfekte Bedingungen.

Kurze Wege, der Einstieg direkt vor der Türe und eine super Logistik dank "Bocki" und seinem super Team.

Der Anreise Tag endete nach einem kurzem Meeting, Sven fragte und welche Vorstellungen wir denn hätten, was wir erreichen wollen und stellte uns grob das Konzept von GUE vor.
Anschließend ging´s zum sehr guten Abendessen.
Generell muss man sich ein GUE Brevet verdienen, auf die Kosten gehe ich am Ende des Artikels ein. Der Kurs kann mit drei Graden absolviert werden:


-TEC Pass (ermöglicht die Teilnahme an weiterführenden Kursen: z.B. Cave 1, oder Tec 1)
-REC Pass (ermöglicht das Upgrade auf einen TEC- Pass)
-Failed, der Kurs wurde nicht bestanden, also keine Zertifizierung, der Kurs muss wiederholt werden.


Tag 1.- Ein neues Taucherleben beginnt

Wir trafen uns zunächst zum Frühstück.
Danach war zuerst die Theorie dran:
-Was ist GUE? -Philosophie -Grundlagen -DIR Prinzip


Alle Fragen wurden ausführlich beantwortet und nicht mit einem "Is eben so" abgetan. Leider hatte ich das vorher bei anderen Verbänden häufig so erlebt.
Anschließend wurde es etwas praktischer: Die Backplate Einstellung überprüfen.
Vielleicht denkt der ein oder andere von euch: Was? Kann man da ernsthaft was falsch machen?!
Mittlerweile kann ich sagen: Ja! Eine gut eingestellte Backplate ist Gold wert und verbessert eure Wasserlage, Bedienbarkeit der Ausrüstung und den Komfort unter Wasser ungemein. D-Ringe wurden platziert und auf die korrekte Position geschoben, Boltsnaps neu geknotet und wieder wurde jede Frage sinnvoll beantwortet.


Nach einer kurzen Mittagspause ging´s nach dem Zusammenbau, der Gasanalyse und dem "GUE EDGE" ins Wasser.
Das GUE Standard Gas ist übrigens ein Nitrox 32%, im "Fundi" ist somit auch eine Nitrox Zertifizierung enthalten.
Der erste Tauchgang bestand im Grunde aus dem vorführen von Flossenschlägen, Lampenführung, Kommunikation und vor allem: Stationär bleiben.


Stationär? Was soll daran schwer sein? Nun, eigentlich alles.
5 Minuten auf der gleichen Stelle schweben, nicht nach oben, unten hinten oder vorne treiben, keine unnötigen Bewegungen. Das ist viel schwerer als es klingt, probiert es doch mal aus. Sven machte alle Übungen vor, wir machten es nach, oder vielmehr- Wir versuchten es.
Resümee nach dem ersten TG. Ich war völlig überfordert.
Bis dahin dachte ich eigentlich, ich wäre "taucherisch" relativ fit. Weit gefehlt. Ich kam mir vor wie der allererste Mensch.


Am Ufer wurde Bilanz gezogen, Sven filmt natürlich unter Wasser gleich alle positiven, aber vor allem auch die negativen Dinge mit. Nach dem Tauchgang werden die Videos dann ausgewertet, Daniel und ich nannten das: "Ups, die Pannenshow". Der externe Winkel verleiht einem einen völlig anderen Eindruck von sich selbst. Fehler können viel besser verstanden und verdeutlicht werden.


Schwimmtest

Abends folgte der Schwimmtest, dazu begaben wir uns ins nächst gelegene Schwimmbad.
Anforderungen:
-275 Meter in 14 Minuten schwimmen (Rücken- Kraul oder Brustschwimmen)
-25 Meter Streckentauchen.


Der Schwimmtest war unseres Empfindens nach nicht sonderlich schwer, extra trainiert hatten wir dafür nicht. Der Test sollte für den durchschnittlich fitten Menschen durchaus zu bewältigen sein. Im Übrigen ist dieser Test eines des wenigen Dinge auf die man sich wirklich vorbereiten kann, der Rest muss eigentlich im Kurs erlernt werden.
Nach einem ausgiebigem Abendessen in der "Bachtaverne", welche ich übrigens wärmstens empfehlen kann, endete der erste Tag.

Resümee des ersten Tages

Denn die ersten TG´s waren wirklich nicht vorzeige würdig, zum Glück wurde das Material gelöscht..(oder Sven sieht es sich heute noch lachend an ;D) Spaß beiseite, ich hatte nie das Gefühl vorgeführt zu werden, ich fühlte mich immer gut aufgehoben und jede Kritik war konstruktiv und berechtigt. Ich war abends aber absolut platt, folglich ging es früh ins Bett und ich dachte mir: Schaff ich das?! Die folgenden Tage sollten aber nicht weniger anstrengend werden.


Tag 2.- Die Pannenshow geht weiter ;)

Am zweiten Tag reiste ein Freund von Sven, Michael Westreicher an, dieser begleitete uns von nun an und tätigte die Videoaufnahmen.
Der Vorteil den GUE neben den taucherischen Vorzügen bietet, ist eine unheimlich enge, freundliche und gut funktionierende Community.
Diese Community öffnet dem aktiven GUE´ler unglaublich viele Türen, man lernt Leute in aller Welt kennen, gewinnt neue Freunde und ganz andere Möglichkeiten tun sich auf. Der zweite Fundi Tag begann ähnlich wie der erste:

Frühstück, Theorie, Praxis, Videos gucken, draus lernen.


Stück für Stück wird das Niveau angehoben, neue Drills kamen hinzu:
z.B. Die Basic 5. Zuerst wird alles trocken an Land geübt. d.h. Backplate auf dem Rücken, Atemregler daran befestigt und alle Abläufe werden step by step einstudiert.


Zugegeben: Ein wenig albern kommt man sich schon vor, wenn man an Land so umher läuft, aber es bringt wirklich unheimlich viel. Im Grunde sind die Basic Five eine Art Vorbereitung auf den V-Drill (Valve- Drill), sowie den S- Drill (Safety- Drill, also die Atemgasspende) Boje schießen, Maske wechseln, alles wurde durchgesprochen.
Sobald die Basic- Five an Land klappten, gings ins Wasser.
Natürlich bleibt es nicht bei den Basic Five, alte Übungen werden immer wieder mit eingebaut, (Flossenschläge, Lampenführung usw.)
Die Basic Five sollten natürlich stationär durchgeführt werden.
Schnell stießen wir an unsere Grenzen.
Die Tauchgänge waren nicht sonderlich lang, aber unheimlich anstrengend. Sofern ich mich richtig erinnere, waren wir an diesem Tag 3 mal im Wasser, jeweils knapp eine Stunde.
An Land erfolgte natürlich wieder die Analyse des Materials.
Der Tag endete wie die anderen: Beim Abendessen ;)



Tag 3.

Der vorletzte Fundi Tag war gekommen. In der Früh, die übliche Routine, Theorie, Übungen an Land, Übungen unter Wasser.
Anschließend gings an den Tauchplatz Föttinger.
Diverse Übungen wurden unter Wasser wiederholt.
Sven spannte für gewöhnlich eine Leine, an dieser wurden dann die Flossenschläge vollführt und gleich korrigiert. Anschließend gings in Richtung der Plattformen. 

Gasspende (S-Drill) und Aufstieg unter Atemgasspende mit Boje. Ich kann sagen, der erste Aufstieg war die reinste Katastrophe. Der nächste TG lief etwas ruhiger ab, von mal zu mal bemerkte man die Fortschritte.


Das Lehrprinzip funktioniert erstaunlich gut, bereits nach wenigen TG`s hatten wir uns deutlich verbessert. Obwohl die Tage wirklich ausgefüllt sind, bleibt das meiste hängen. Dies liegt an der stetigten Wiederholung. Die grundlegenden Drills werden quasi fast schon mit militärischer Routine einstudiert.

Erneut ging´s ins Wasser, Flossenschläge, V-Drill, S- Drill und ab 70 Bar ging´s wieder an den Aufstieg unter Atemgasspende mit Boje. Da kommt man anfangs ganz schön ins rudern. Aufstieg, Boje, Tauchpartner im Blick halten, Zügig aufsteigen ohne hochzuploppen wie Flipper- nicht so leicht! Dieses mal klappte es deutlich besser ;D

Tag 4.


In der Regel endet der Fundi bereits am Tag 3. Wir hatten uns vorab bereits etwas mehr Zeit eingeplant, was wir natürlich nicht bereut haben.
Morgens: Übliche Routine, anschließend gings ins Wasser.


V-Drill, Flossenschläge (Frog Kick, modified Frog Kick, Flutter Kick, modified Flutter Kick und vor allem: der Backkick), Maskenwechsel, S-Drill, Aufstieg an Boje. An Land wurde natürlich wie gewohnt, der Tauchgang ausgewertet (Ups, die Pannenshow ;D)
Nachdem wir das Equipment verstaut hatten, machten wir uns an den schriftlichen Test. Der Test läuft in Teamarbeit ab, die Lehrunterlagen dürfen ebenso verwendet werden.
Im großen Ganzen ist der Test locker zu bewältigen.
Nach dem Test gab uns Sven persönlich Feedback, er resümierte was wir uns zu Beginn vorgestellt hatten, und wo wir uns jetzt sehen.
Anschließend erhielten wir beide den "Rec- Pass" womit wir auch zufrieden waren.
Der Rec Pass bedeutet dass der Kurs erfolgreich bestanden wurde, aber bevor man in weiterführende Kurse einsteigt, muss man nochmal bei einem GUE Instructor (egal welcher) antanzen und einen "Check- Dive" bestehen.
Dieser beinhaltet in der Regel alle Inhalte des Fundis. (Flossenschläge, Valve Drill, S-Drill, Boje)
Den Tag beendenten wir bei einem gemeinsamen Mittagessen, anschließend brachte ich Sven zum Flughafen München.

Was hat mir das gebracht?

Bisher war für mich persönlich kein Kurs so sinnvoll, wie der GUE Fundamentals. Meine Wasserlage hat sich gefühlt um 300% verbessert, das bestätigen mir auch Freunde so. Ich bin seither Unterwasser viel ruhiger, kann arbeiten wesentlich besser bewältigen und mich auf viel mehr Dinge wie das eigentliche Tauchen konzentrieren.
Schweben und tarieren, Flossenschläge ohne Sediment aufzuwirbeln, das läuft quasi automatisch.

Durch GUE stieß ich auf Project Baseline, habe mein eigenes Projekt gegründet, welches mittlerweile über 10 Mitglieder umfasst, und stetig wächst. Dadurch lernte ich viele neue Leute kennen, gewann neue Freunde, kam mit Universitäten, Ämtern und Behörden, Fachleuten und Vereinen in Kontakt. Inzwischen sind wir deutschlandweit unterwegs, nehmen Aufträge wahr und betreiben unsere eigenen kleinen "Forschungsprojekte" und Beobachtungen.
Letztens ist sogar ein Artikel in der Wetnotes über ein Teilausschnitt unserer Arbeit erschienen (März Ausgabe, 2020)

Wo führt mich das hin?
Nun, im Grunde vermutlich erst mal Richtung Cave, natürlich kann ich mir auch vorstellen einen Tec 1, oder 2 zu absolvieren.

Kosten:
Eine der häufigsten Fragen ist natürlich was kostet das Ganze, aber bevor ich das beantworte, überlegt bitte schnell.
Was habt ihr für eure eigene Ausrüstung ausgegeben? Sicherlich mehr als die Gebühr für einen Fundi, oder?

Die Ausbildung bei GUE ist unglaublich hochwertig, natürlich hat das auch seinen Preis.
Die Gebühr für den Fundi waren zu diesem Zeitpunkt 700€, hinzu kamen die Spesen des Instructors, bei mir circa 200€. Wir waren im Kurs nur zu zweit, was wir wirklich genossen haben. Bei mehr Teilnehmern, verteilen sich die Spesen entsprechend auf die Teilnehmer. 

Übrigens ist die Lokalität, also der See völlig egal. Ihr seht vom Gewässer quasi nichts. 

Einstieg, Plattform, Einstieg. Sofern die Infrastruktur vorhanden ist, kann man dort auch einen Fundi machen. 
Dann natürlich noch die eignen Kosten für Anreise, Unterkunft, Verpflegung usw.
Im gesamten kam der Spaß für mich auf etwa 1200€.
Viel? Ich arbeite als Krankenpfleger, locker hab ich´s also nicht, aber wert wars mir das allemal!
Wir haben es uns allerdings auch wirklich gut gehen lassen, ausgiebig gegessen und geschlemmt ;D
Ich würde es definitiv wieder so machen. Natürlich bieten mittlerweile auch viele andere Verbände einen Fundi für weniger Euronen an, aber diese beinhalten bei weitem nicht die Tiefe und Umfang des Fundamentals bei GUE.

Zusammenfassung:
Der Fundi ist wirklich anspruchsvoll, man muss unbedingt lernbereit und offen für neues sein. Vorbereiten kann man sich eigentlich nicht wirklich. Häufig fühlte ich mich wie der letzte Depp, aber dieses Gefühl ließ schnell nach, denn nach wenigen TG´s klappte (fast) alles.
Wichtig ist, ihr müsst zusammenarbeiten, ein Team werden und nicht nur euren eignen Fortschritt sehen.
Tauchen ist ein Teamsport- folglich zählt immer wie gut ihr zusammenarbeitet. 

Nach dem Fundi ist vor dem Fundi, und es heißt dranbleiben, trainieren und immer weiter verbessern.
Natürlich macht es Sinn, anschließend auch bzw. überwiegend mit GUE´lern zu tauchen, nur so macht das Komplettpaket auch vollends Sinn.

Hier vermittelte uns Sven auch schnell Kontakte.
Zurückblickend würde ich den Fundi jederzeit wieder machen und kann jedem der Interesse daran hat nur empfehlen: Traut euch, ihr werdet es nicht bereuen.

Gerne möchte ich Sven Nelles und Michael für die wunderschönen, wenn auch anstrengen Tage danken und hoffe dass wir uns auf dem einen oder anderen Event oder auch im nächsten Kurs wiedersehen.


 

 
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